KI-Floskeln sind Wörter und Wendungen, die Sprachmodelle auffällig oft und meist ohne Informationsgehalt einsetzen: „zudem“, „darüber hinaus“, „es ist wichtig zu beachten“, „spielt eine entscheidende Rolle“. Einzeln sind sie harmlos. In Serie machen sie einen Text steif, vorhersehbar und eben maschinell.
Lies diesen Satz: „Darüber hinaus ist es wichtig zu beachten, dass die Digitalisierung eine entscheidende Rolle im Bildungsbereich spielt. Zudem eröffnet sie vielfältige Möglichkeiten.“ Grammatisch ist alles korrekt. Trotzdem merkst du sofort, dass hier niemand mit echter Stimme spricht. In diesem Artikel findest du die typischen deutschen KI-Floskeln nach Gruppen sortiert, jeweils mit Alternativen, dazu einen Vorher-nachher-Absatz und eine Checkliste.
Keine Floskel auf dieser Liste beweist, dass ein Text von einer KI stammt. Menschen schreiben genauso, besonders in Behörden, Bewerbungen und Seminararbeiten. Es geht um Häufung: ein „zudem“ pro Seite ist normal, eines in jedem zweiten Satz ist ein Muster. Auch ein KI-Detektor kann daraus nur eine Schätzung ableiten, kein Urteil. Unser KI-Stil-Check sagt das deshalb auch ausdrücklich dazu.
Warum KI-Texte nach Maschine klingen
Sprachmodelle wählen Wort für Wort eine wahrscheinliche Fortsetzung. Wahrscheinlich heißt: sicher, neutral, schon tausendfach gelesen. Dazu kommt, dass viele Modelle darauf trainiert sind, hilfreich und strukturiert zu wirken. Das Ergebnis sind Texte, die jeden Gedanken ankündigen, jeden Übergang mit einem Konnektor markieren und jeden Absatz mit einer Zusammenfassung beenden.
Auf Deutsch zeigt sich das vor allem in fünf Mustern:
- Konnektoren im Dauereinsatz
- Leere Ankündigungen und Bedeutungsbeteuerungen
- Immer gleiche Lieblingswörter
- Nominalstil und Passiv
- Gleichförmiger Satzrhythmus und Dreierlisten
Konnektoren im Dauereinsatz: zudem, darüber hinaus, des Weiteren
Übergänge sind wichtig. Aber wenn jeder Satz mit einem Verbindungswort anfängt, liest sich der Text wie ein Förderband. Oft stehen die Sätze auch ohne Konnektor sauber nebeneinander, weil der Zusammenhang ohnehin klar ist.
| Floskel | Warum sie stört | Stattdessen |
|---|---|---|
| „Zudem …“ | Wird gern an jeden zweiten Satz gehängt | Weglassen oder „auch“ in den Satz holen: „Sie fördert auch …“ |
| „Darüber hinaus …“ | Klingt nach Aufzählung, auch wenn nichts aufgezählt wird | „Außerdem“, „dazu kommt“ oder einen neuen Absatz beginnen |
| „Des Weiteren …“ | Amtsdeutsch, verlangsamt den Einstieg | Den Satz direkt mit der Sache beginnen |
| „Nichtsdestotrotz …“ | Wirkt bemüht gehoben | „Trotzdem“, „dennoch“ |
| „Letztendlich …“ / „Letztlich …“ | Kündigt ein Fazit an, das oft keins ist | Das Fazit einfach hinschreiben |
| „Insgesamt lässt sich sagen, dass …“ | Typischer Schlusssatz, der nur wiederholt | Streichen, wenn er nichts Neues bringt |
Leere Ankündigungen: „Es ist wichtig zu beachten“
Diese Wendungen behaupten, dass gleich etwas Wichtiges kommt, statt es einfach zu sagen. Ein einfacher Test: Streich die Wendung und lies den Satz noch einmal. Fehlt etwas? Fast nie.
| Floskel | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| „Es ist wichtig zu beachten, dass …“ | Es ist wichtig zu beachten, dass die Frist am 15. März endet. | Die Frist endet am 15. März. |
| „Es sei darauf hingewiesen, dass …“ | Es sei darauf hingewiesen, dass die Daten aus 2022 stammen. | Die Daten stammen aus 2022. |
| „Es lässt sich festhalten, dass …“ | Es lässt sich festhalten, dass die Methode funktioniert. | Die Methode funktioniert. |
| „In der heutigen schnelllebigen Zeit …“ | In der heutigen schnelllebigen Zeit ist Zeitmanagement wichtig. | Zeitmanagement ist wichtig, weil … (hier gehört dein konkreter Grund hin). |
| „Im Folgenden wird … näher beleuchtet“ | Im Folgenden werden die Ursachen näher beleuchtet. | Die Ursachen sind vor allem drei: … |
Eine Ausnahme gibt es: In wissenschaftlichen Arbeiten ist ein kurzer Hinweis auf den Aufbau („Kapitel 3 stellt die Methode vor“) üblich und sinnvoll. Problematisch ist nicht die Ankündigung an sich, sondern die Ankündigung vor jedem einzelnen Gedanken.
Lieblingswörter: entscheidend, maßgeblich, vielfältig
Jeder Mensch hat Lieblingswörter. Das Problem bei KI-Texten: Alle Modelle haben ungefähr dieselben, und sie setzen sie sehr dicht ein.
| Wort oder Wendung | Typischer Gebrauch | Natürlicher |
|---|---|---|
| „spielt eine entscheidende Rolle“ | Für fast alles, was irgendwie wichtig ist | Sagen, was genau passiert: „ohne X klappt Y nicht“ |
| „maßgeblich“, „essenziell“ | Als Verstärker ohne konkreten Inhalt | Streichen oder durch einen Beleg ersetzen |
| „vielfältige Möglichkeiten“ | Wenn keine Möglichkeit konkret genannt wird | Zwei Möglichkeiten konkret nennen |
| „ganzheitlich“, „nachhaltig“ (ohne Bezug) | Modewörter als Füllung | Nur verwenden, wenn der Begriff im Fach definiert ist |
| „ein wertvoller Beitrag“ | Pauschales Lob am Absatzende | Sagen, wozu der Beitrag konkret dient |
| „in hohem Maße“ | Statt einer Zahl oder eines Vergleichs | Zahl nennen oder „deutlich“, „stark“ |
Nominalstil und Passiv
Deutsche Verwaltungssprache liebt Substantive, und KI-Modelle haben viel Verwaltungssprache gelesen. Das Ergebnis sind Sätze, in denen nichts mehr passiert, weil alle Handlungen zu Nomen erstarrt sind.
- „Die Durchführung der Analyse erfolgte mittels Fragebogen.“ wird zu „Wir haben die Daten mit einem Fragebogen erhoben.“
- „Es erfolgt eine Überprüfung der Ergebnisse.“ wird zu „Die Ergebnisse werden überprüft.“ oder, noch klarer, „Das Team prüft die Ergebnisse.“
- „Zur Sicherstellung der Qualität …“ wird zu „Damit die Qualität stimmt, …“
Faustregel: Steht in einem Satz „erfolgen“, „vornehmen“ oder „durchführen“ zusammen mit einem Substantiv auf -ung, steckt darin fast immer ein Verb, das sich befreien lässt.
Satzrhythmus und Dreierlisten
Ein unterschätztes Merkmal ist der Rhythmus. KI-Texte bestehen oft aus Sätzen ähnlicher Länge mit ähnlichem Aufbau: Subjekt, Verb, Ergänzung, Komma, Nebensatz. Dazu kommen Aufzählungen, die fast immer genau drei Elemente haben („effizient, flexibel und zukunftssicher“).
So brichst du das Muster auf:
- Setz nach einem langen Satz bewusst einen kurzen.
- Beginne Sätze unterschiedlich, nicht immer mit dem Subjekt.
- Nenne zwei Dinge, wenn es zwei sind, und vier, wenn es vier sind.
- Streich das Fazit am Absatzende, wenn der Absatz für sich spricht.
Vorher-nachher: ein ganzer Absatz
Vorher (typischer KI-Entwurf):
Darüber hinaus ist es wichtig zu beachten, dass Gruppenarbeit eine entscheidende Rolle im Studium spielt. Sie ermöglicht es Studierenden, vielfältige Kompetenzen zu entwickeln. Zudem fördert sie in hohem Maße die Kommunikationsfähigkeit, die Teamfähigkeit und die Problemlösungskompetenz. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Gruppenarbeit einen wertvollen Beitrag zur akademischen Bildung leistet.
Nachher (von Hand überarbeitet):
Im Studium ist Gruppenarbeit oft unbeliebt, aber sie trainiert etwas, das Vorlesungen kaum leisten: sich mit anderen abzustimmen. Wer ein Referat zu viert vorbereitet, muss Aufgaben verteilen, Kompromisse finden und Fristen einhalten. Genau das wird später im Beruf erwartet.
Was sich geändert hat: Keine Konnektoren am Satzanfang, keine Ankündigungen, keine Dreierliste aus Kompetenzbegriffen, dafür ein konkretes Beispiel. Die Kernaussage ist dieselbe. Der zweite Absatz ist sogar kürzer.
Checkliste zum Überarbeiten
Geh deinen Text mit diesen Fragen durch, am besten ausgedruckt oder laut:
- Beginnen mehr als zwei Sätze pro Absatz mit einem Konnektor?
- Steht irgendwo „es ist wichtig zu“, „es sei darauf hingewiesen“ oder „es lässt sich festhalten“?
- Kommen „entscheidend“, „maßgeblich“ oder „vielfältig“ mehr als einmal vor?
- Gibt es Substantive auf -ung mit „erfolgen“ oder „durchführen“?
- Haben die Sätze eines Absatzes alle ungefähr dieselbe Länge?
- Endet jeder Absatz mit einer Zusammenfassung?
- Steht irgendwo ein konkretes Beispiel, eine Zahl mit Quelle oder eine eigene Erfahrung?
Wenn du nicht jeden Absatz von Hand umbauen willst: Der humai-Humanizer ist genau auf diese Muster abgestimmt. Er arbeitet mit eigenen Stilregeln für das Deutsche, löst gestapelte Konnektoren, leere Ankündigungen und Nominalstil auf und bleibt bei der Anrede, die dein Text vorgibt. Zahlen, Zitate und Abkürzungen wie NATO prüft humai nach dem Umschreiben automatisch und weist dich darauf hin, wenn etwas davon fehlt. Namen solltest du selbst gegenlesen. Kostenlos geht das ohne Konto mit bis zu 1.500 Zeichen pro Text. Mit „Änderungen anzeigen“ siehst du genau, was umgeschrieben wurde, und lernst nebenbei, welche Floskeln du selbst gern benutzt.
Wenn es dir eher um neue Formulierungen als um Klang geht, lies unsere Anleitung Text umformulieren: So geht’s richtig. Und wie du Stil und Lesbarkeit allgemein verbesserst, steht in Text verbessern: Stil und Lesbarkeit.