Damit eine KI in deinem Stil schreibt, braucht sie eine genaue Beschreibung dieses Stils: wie lang deine Sätze sind, welche Wörter du benutzt, wie du Absätze baust. Die Anweisung „schreib wie ich“ allein reicht nicht, denn das Modell kennt dich nicht. Die Beschreibung gewinnst du am besten aus Texten, die du selbst geschrieben hast.
Hier erfährst du, woran sich dein Stil festmachen lässt, welche Textproben dafür taugen und wie du das Ganze von Hand in einem Prompt oder mit der Funktion „Schreib wie ich“ im humai-Humanizer umsetzt. Am Ende steht, was ein Stilprofil nicht leisten kann.
Warum KI-Texte selten nach dir klingen
Ohne weitere Vorgaben klingt ein Sprachmodell wie der Durchschnitt dessen, was es gelesen hat. Dabei kommen saubere, gleichmäßige Sätze heraus, die zu fast jedem Thema und zu fast jedem Absender passen. Deine eigenen Texte haben dagegen Eigenheiten: Vielleicht setzt du gern einen Doppelpunkt vor die Pointe, vielleicht fängst du Sätze mit „Aber“ an, vielleicht schreibst du nie länger als zwei Zeilen am Stück.
Genau diese Eigenheiten glättet das Modell weg. Wer danach nur einzelne Floskeln tauscht, bekommt einen Text ohne Floskeln, aber noch immer keinen, der nach ihm klingt. Wie du die Floskeln loswirst, steht in KI-Text natürlich klingen lassen. In diesem Artikel geht es um den Schritt danach.
Woran sich dein Schreibstil festmachen lässt
„Locker“ oder „sachlich“ beschreibt noch keinen Stil. Brauchbar sind Angaben, die sich an einem Text überprüfen lassen:
| Merkmal | Frage an deinen Text | Brauchbare Beschreibung |
|---|---|---|
| Satzlänge und Rhythmus | Wie viele Wörter hat ein typischer Satz? Wechselst du zwischen kurz und lang? | Meist 8 bis 15 Wörter, ab und zu ein längerer Satz mit „weil“ |
| Sprachregister | Würdest du den Text genauso einer Kollegin vorlesen? | Alltagsnah, kaum Fachjargon, keine Redewendungen |
| Person und Anrede | Ich, wir, man oder du? | Meist „man“, Leser werden selten direkt angesprochen |
| Zeichensetzung | Was nimmst du gern, was nie? | Viele Punkte, Doppelpunkt vor dem Kerngedanken, keine Semikolons |
| Verbindungswörter | Womit schließt du Sätze aneinander an? | „aber“, „deshalb“, „trotzdem“ |
| Absätze | Wie lang sind sie, und wie enden sie? | Zwei bis vier Sätze, kein zusammenfassender Schlusssatz |
Ein Tipp für die Selbstanalyse: Nimm einen eigenen Absatz und zähle die Wörter pro Satz. Das eigene Gefühl täuscht bei der Satzlänge leicht, und die Zahl korrigiert das schneller als jedes Nachdenken über den Ton.
Welche Textproben sich eignen
Das Ergebnis kann nur so gut sein wie die Texte, aus denen der Stil abgeleitet wird. Vier Regeln helfen bei der Auswahl:
- Nimm Texte, die du wirklich selbst geschrieben hast. Stark redigierte oder schon mit KI überarbeitete Texte zeigen eher den Stil der Überarbeitung als deinen.
- Bleib bei der passenden Textsorte. Deine WhatsApp-Nachrichten sagen wenig darüber, wie ein Blogartikel von dir klingen soll. Für einen Fachbeitrag nimmst du Fachbeiträge, für einen Newsletter frühere Newsletter.
- Nimm zusammenhängende Absätze. Stichpunkte, Tabellen und Zitate anderer Leute verraten nichts über deinen Satzbau.
- Entferne Persönliches vorher. Namen, Adressen und vertrauliche Angaben gehören nicht in eine Textprobe. Für den Stil spielen sie ohnehin keine Rolle.
Ohne Tool: den Stil im Prompt beschreiben
In jedem KI-Chat kannst du zweistufig vorgehen. Zuerst lässt du dein Vorbild analysieren, dann übergibst du die Analyse zusammen mit dem Text:
Beschreibe den Schreibstil des folgenden Textes in höchstens acht Stichpunkten: Satzlänge, Rhythmus, Sprachregister, grammatische Person, Zeichensetzung, typische Verbindungswörter, Aufbau der Absätze. Zitiere nicht aus dem Text und nenne sein Thema nicht.
Schreibe den Text unten in diesem Stil um: [Stilbeschreibung]. Inhalt, Zahlen und Namen bleiben unverändert, und es kommen keine neuen Fakten dazu. Text: [dein Text]
Lies die Analyse kritisch, bevor du sie weiterverwendest, und streiche, was nicht stimmt. Sag außerdem ausdrücklich, dass nichts erfunden werden darf. Sobald ein Modell „persönlicher“ schreiben soll, dichtet es mitunter Anekdoten dazu. Prüfe vorher auch, was der jeweilige Dienst mit deinen Eingaben macht, denn das unterscheidet sich je nach Anbieter und Tarif.
So funktioniert „Schreib wie ich“ in humai
Die Funktion ist Teil des Pro-Plans und sitzt direkt beim Humanizer. Im Free-Plan siehst du das Feld, kannst es aber nicht nutzen. Der Ablauf:
- Du fügst eine bis drei Textproben ein. Jede hat 200 bis 3.000 Zeichen, zusammen höchstens 6.000.
- Mit „Profil erstellen“ entsteht daraus eine kurze Stilbeschreibung von höchstens 900 Zeichen. Sie beschreibt Satzlänge und Rhythmus, Sprachregister, grammatische Person, Zeichensetzung, typische Verbindungswörter und den Aufbau der Absätze. Das Modell hat die Anweisung, keine Inhalte aus den Proben zu zitieren. Du kannst pro Tag bis zu zehn Profile erstellen.
- Das Profil bleibt in deinem Browser gespeichert und geht mit jedem Text an den Humanizer. Der gewählte Ton legt weiter das Register fest, das Profil verfeinert ihn. Mit „Profil löschen“ entfernst du es.
Eine Ausnahme gilt für die Zeichensetzung: Semikolons und lange Gedankenstriche entfernt der Humanizer am Ende immer, egal was im Profil steht. Gehören sie zu deinem Stil, setzt du sie danach von Hand wieder ein.
Zu deinen Daten: Textproben und Profil speichert humai nicht auf dem eigenen Server. Sie gehen aber zur Verarbeitung an den Anbieter des KI-Modells, deshalb gilt die Regel von oben: Vertrauliches vorher entfernen. Da das Profil lokal liegt, musst du es in einem anderen Browser oder auf einem anderen Gerät neu erstellen.
Ein Stilprofil könnte zum Beispiel so aussehen:
Kurze bis mittellange Sätze, gelegentlich ein längerer zum Schluss eines Absatzes. Alltagsnahes Register ohne Fachjargon. Schreibt meist mit „man“, spricht Leser selten direkt an. Viele Punkte, keine Semikolons. Typische Verbindungswörter: aber, und, außerdem. Absätze mit zwei bis vier Sätzen, ohne zusammenfassenden Schlusssatz.
Lies das Profil, bevor du damit arbeitest. Erkennst du dich darin nicht wieder, liegt es oft an den Proben: Sie sind zu kurz, stammen aus verschiedenen Textsorten oder wurden stark von anderen bearbeitet. Tausche dann eine Probe aus und erstelle das Profil neu. Für verschiedene Zwecke lohnen sich auch verschiedene Profile, weil dein Newsletter vermutlich anders klingt als dein Fachartikel. Gespeichert ist immer nur eines, die Proben für das andere hebst du also am besten in einer eigenen Datei auf.
Vorher-nachher: derselbe Inhalt, ein anderer Klang
Das folgende Beispiel ist von Hand formuliert und zeigt die Richtung, die das obige Profil vorgibt. Das Ergebnis im Tool hängt von deinem Text und deinem Profil ab und wird davon abweichen.
Vorher (Sätze mit 7, 20 und 11 Wörtern):
Das Homeoffice bietet zahlreiche Vorteile für Beschäftigte. Darüber hinaus ermöglicht es eine flexible Gestaltung des Arbeitsalltags und trägt zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei. Zudem entfällt der Arbeitsweg, was sich positiv auf die Zufriedenheit auswirkt.
Nachher (Sätze mit 6, 8 und 15 Wörtern):
Homeoffice hat für Beschäftigte viele Vorteile. Der Arbeitsweg fällt weg, und das macht zufriedener. Man kann den Tag flexibler einteilen, und auch Beruf und Familie passen dann besser zusammen.
Die vier Aussagen sind dieselben: viele Vorteile, kein Arbeitsweg, flexiblerer Tag, bessere Vereinbarkeit. Geändert haben sich Klang und Satzbau. „Darüber hinaus“ und „Zudem“ sind verschwunden, der Satz mit 20 Wörtern ist aufgelöst, und der längste Satz steht jetzt am Schluss, wie es das Profil verlangt. Das „man“ kommt ebenfalls aus dem Profil. Neue Tatsachen sind nicht dazugekommen, und genau darauf solltest du auch bei deinen Ergebnissen achten.
Was ein Stilprofil nicht leisten kann
- Keine Garantie. Das Profil beschreibt Stil, mehr nicht. Es verspricht kein bestimmtes Ergebnis, weder bei der Qualität noch bei der Frage, wie andere den Text einordnen. Lies jede Fassung selbst durch und ändere, was du so nie sagen würdest.
- Keine eigene Erfahrung. Dein Stil lässt sich beschreiben, deine Beispiele und Beobachtungen nicht. Wenn ein Text nach dir klingen soll, müssen sie von dir kommen.
- Keine eigene Leistung. Ein Text in deinem Stil ist nicht automatisch deine Arbeit. Bei Hausarbeiten und anderen benoteten Texten gelten die Regeln deiner Hochschule. Halte dich daran und gib die KI-Nutzung an. Wie das konkret geht, steht in KI-Nutzung in der Hausarbeit offenlegen.
Am besten funktioniert die Reihenfolge: eigene Gedanken zuerst, dann das Profil für den Feinschliff, zum Schluss dein eigener Lesedurchgang. Wenn du den Humanizer ohne Konto ausprobieren willst, geht das kostenlos mit bis zu 1.500 Zeichen pro Text, allerdings ohne Stilprofil.